Flüchtlings­integration – Eine Chance für die Zukunft

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Flüchtlinge in der eigenen Gemeinde – Problem oder Chance?

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten dieser Welt nach Deutschland reißen nicht ab. Jeden Tag kommen mehr und mehr Männer, Frauen und Kinder an unsere Grenzen und beantragen Asyl und Bleiberecht. Und wer immer noch glaubt es handle sich dabei nur um ein flüchtiges, kurzzeitiges Phänomen, der verschließt grob fahrlässig die Augen vor den Problemen die auf uns in den kommenden Monaten und Jahren zukommen werden. Nach Schätzungen z.B. des rheinlandpfälzischen Finanzministerium werden die Einwohnerzahlen von Städten und Gemeinden, auf Grund des Zustroms von Flüchtlingen, die Ihre Heimat wegen Krieg oder Vertreibung verlassen mussten, in den nächsten 12 Monaten um ca. 1% steigen. Da kann sich jeder selber ausrechnen, was das für sein Ort oder seine Gemeinde bedeute.

Ein weiteres Problem ländlich strukturierter Gemeinden

Die steigende Zahl an Flüchtlingen, die menschenwürdig Untergebracht werden müssen, ist aber nicht das einzige Problem deutscher Städte und Gemeinden. Ein weiteres Problem, welches sich ganz einfach mit dem Schlagwort „demographischer Wandel“ beschreiben lässt, stellt ebenfalls große Herausforderungen an die strukturelle und gesellschaftliche Entwicklung und Gestaltung von Gemeinden. Deutschland wird immer älter. Auch das ist jedem bekannt. Die Geburtenraten gehen zurück, die Menschen werden dafür immer älter. Die Folge, ein Ungleichgewicht, welches unser Sozialsystem an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Immer weniger erwerbstätige / erwerbsfähige Männer und Frauen müssen die wachsende Zahl an Rentnern finanzieren. Die vermeintlichen Rücklagen reichen da bei weitem nicht aus. Außerdem fehlen der regionalen Wirtschaft Arbeitskräfte und motivierte Auszubildende.

Ein weiteres Problem sind die möglich Schließungen von Schulen und Kindergärten, weil die Belegungszahlen nicht mehr erreicht werden. So wie es eventuell unsere Schule und dem Kindergarten in Waldhausen passieren könnte. Oder wie in anderen Orten schon praktiziert, das Turnhallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert werden. Entsprechende Pläne liegen bereits auf den Tischen der Entscheidungsträger unserer Gemeinde.

Alles Probleme, die Deutschland alleine nicht bewältigen kann.

Ein Szenario das keiner will

Schauen wir uns die oben aufgeführten Probleme einmal genauer an, könnte folgendes passieren. Unserer Gemeinde Schnaitsee werden (bis Winter 2015) ca. 50 Flüchtlinge zugewiesen (bis Ende 2016 voraussichtlich 100 Flüchtlinge), die irgendwie untergebracht werden müssen. Die Gemeinde hat aber keine freien Gebäude, die für diesen Zweck zur Verfügung stehen. Die einzigen Gebäude, welche kurzfristig als Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden könnten, wären die beiden Schulturnhallen in Schnaitsee und Waldhausen. Da die Gemeinde selber keine Alternativ anbieten kann, beschließen die oberen Entscheidungsgremien, das die Turnhallen geschlossen werden müssen um Platz für die Asylanten zu schaffen. Den Kindern der Schulen, Kindergärten, Zwergelgruppen und nicht zuletzt allen Sportvereinen ist es dann nicht mehr möglich in den Turnhallen Sport zu treiben oder Wettkämpfe auszurichten. Bereits zugesagte Kreismeisterschaften und Hallenturniere der Sportvereine müssten ersatzlos gestrichen werden. Jetzt sind eine, im Verhältnis zur Einwohnerzahl Schnaitsee und Waldhausen große Anzahl an fremden Menschen in einem Gebäude untergebracht, welches vorher eines der zentralen und sozialen Mittelpunkte der beiden Ortsteile waren. Das da die Integration der neuen Bewohner quasi unmöglich wird, ist wohl jedem klar. Der soziale Unfriede wäre vorprogrammiert.

Also warum nicht aktiv den Problemen in die Augen sehen und selber Lösungen erarbeiten, bevor andere Vorgaben machen, die keiner aus unsere Gemeinde haben will.

Unsere Chance, die wir jetzt offensiv nutzen müssen

Das Lösungswort heißt ehrlich gemeinte und gelebte Integration in eine gewachsene Gemeinschaft. Aber was bedeutet Integration. Als aller Erstes muss der ernsthafte Wille und die Bereitschaft da sein, diese Chance, die uns das momentane Weltchaos liefert, wirklich zu nutzen. Integration bedeutet nicht nur die Neuankömmlinge offen und herzlich zu empfangen und am Gemeindeleben aktiv teilhaben zu lassen. Es bedeutet auch offen zu sein für die andere fremde Kultur. Die Bedürfnis, Ängste, Wünsche und Gewohnheiten des anderen zu akzeptieren. Das ist nicht immer leicht und erfordert von allen ein hohes Maß an Toleranz, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Erleichtert wird dieser Prozess, wenn von Anfang an die richtigen Signale ausgesendet und die optimalen Voraussetzungen geschaffen wurden.

Unser Konzept

Will man die Flüchtlinge ernsthaft langfristig in die gewachsene Gemeindestrukturen integrieren, muss man sie auch entsprechend behandeln. Eine Unterbringung in irgendwelchen Blechcontainern oder, wie in unserem Fall, Sporthallen kann nicht die Lösung sein. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen bezieht dazu eindeutig Stellung. In einem Positionspapier vom 28. Juli 2015 fordert sie, das zukünftig Flüchtlingsunterkünfte vorzugsweise in Holz-Modulbauweise zu errichten sind. „Flüchtlinge brauchen Wohnungen, keine Behälter“ ist eine der deutlichen Aussagen in diesem Positionspapier. Der Charakter des Provisorischen von Containerbehausungen trägt schon visuell nicht zu einer Integration ihrer Bewohner in die Gesellschaft, sondern zu einer Stigmatisierung bei. Auch die Akzeptanz bei den angrenzenden Anwohnern erhöht sich natürlich um ein vielfaches, wenn anstatt einer Containersiedlung, ansprechende, nachhaltige und architektonisch gestaltete Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte zum Einsatz kommen.

Die Vorteile eine nachhaltigen, langfristigen Konzipierung von Flüchtlingsunterkünften liegen auf der Hand. Aber was sind nachhaltig geplante Gebäude. Der regionale Holzbau macht es schon seit Jahrzehnten vor, wie mit regionalen Baustoffen und ortsansässigen Handwerkern in kürzester Zeit neuer Wohnraum mit modernen Heizkonzepten entstehen. Nachhaltige Gebäude sind:

  1. Gebäude die in Ihrem Unterhalt geringe laufenden Kosten verursachen.
  2. Die nach ihrer ursprünglichen Nutzungsphase mit einfachen Mitteln in kurzer Zeit einer neuen Nutzung zugeführt werden können.
  3. Die nach Rückbau problemlos und umweltschonend entsorgt werden können, was sich wiederum auf die Gesamtkosten eine Gebäudenutzung auswirkt.
  4. Die nach modernstem Wärmedämmstandard gebaut und damit geringe Heiz- und im Sommer Kühlkosten verursacht. Ein Aspekt der bei einer langen Nutzungsdauer gerade für den Betreiber sehr relevant ist
  5. Gebäude die wie Häuser aussehen und ein angenehmes Wohnumfeld schaffen, werden von den Bewohnern auch als solche gesehen und entsprechend besser gepflegt und damit die Bausubstanz geschont und Reparatur- und Renovierungskosten gesenkt.

Räume und Gebäude die mit natürlichen Werkstoffen wie z.B. Holz gebaut sind haben auch psychologische Aspekte. Natürliche Oberflächen haben eine beruhigende Wirkung auf Ihre Bewohner. Sie können helfen Aggressionen, Frustration, Stress und Streitigkeiten zu reduzieren.
Alle diese Punkte erfüllt der moderne Holzbau. Das Gebäudekonzept, das wir entwickelt haben, kann schnell umgesetzt werden. Durch die Standardisierung des Fertigungsprozesses, eine ausgeklügelte Statik und ein variables Raumkonzept können wir in kurzer Zeit die benötigten Flüchtlingsunterkünfte vorfertigen und Vorort in kurzer Zeit montieren. Sollten die Holzgebäude zu einem späteren Zeitpunkt, z.B. als „normale“ Wohngebäude umgenutzt werden, ist ein Umbau in Zwei- bis Vier- Parteien Wohnungen kein Problem.

Also, Lösungen liegen auf dem Tisch. Warum nutzen wir sie nicht und machen aus einem vermeintlichen Problem eine echte Chance, zum Wohle aller. Zum Wohle der Gemeinde Schnaitsee und zum Wohle der Flüchtlinge.

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Was halten Sie von unserem Ansatz. Gemeinden stärken durch geplanten Zuzug von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Schreiben Sie mir Ihren Kommentar, ich freu mich schon auf Ihre Anregungen und auf eine lebhafte Diskussion.

 

 

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